Ablauf einer Sitzung  - ein fiktives Beispiel

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Diese fiktive Beispiel soll veranschaulichen, wie eine typische Hypnosesitzung abläuft und wie sich die Zusammenarbeit mit einer Klientin gestaltet. Der tatsächliche Ablauf einer Sitzung gestaltet sich immer individuell nach den Bedürfnissen und Voraussetzungen meiner Klienten.

Kontaktaufnahme

 

Sandra, Anfang 30, hat von einer Freundin von mir erfahren und kontaktiert mich über das Formular meiner Homepage. In einem telefonischen Vorabgespräch schildert sie mir ihr Anliegen: Sandra arbeitet in einer Agentur im Onlinemarketing. Die Arbeit macht ihr Spaß und mit ihren Kollegen hat sie ein freundschaftliches Verhältnis. Nur mit ihrem autoritären Chef hat Sandra ein Problem. Obwohl sie ihn auf fachlicher Ebene schätzt, kommt sie mit seiner dominanten Art einfach nicht zurecht. Immer wieder gibt er ihr Aufgaben, die eigentlich nicht zu ihrem Aufgabengebiet gehören und Sandra einerseits langweilen, sie andererseits mit wichtigeren Projekten in Verzug bringen. Viele Male hat sie sich bereits vorgenommen, ihren Chef darauf anzusprechen oder bei der nächsten ungerechten Aufgabenverteilung auf ihren Arbeitsvertrag zu verweisen. Doch wenn es dann soweit ist, reicht es schon, wenn ihr Chef sie nur mit seinem strengen Blick anschaut und Sandra fühlt sich sehr klein und unsicher. Ihr Anliegen kommt ihr auf einmal unbedeutend vor und sie möchte einfach nur der Situation entkommen. Zurück an ihrem Schreibtisch ärgert sich Sandra über sich selbst und ist frustriert, weil sie wieder eingeknickt ist. Ihre Hoffnung ist, dass ihr die Hypnose hilft, in entscheidenden Situationen ihren Mut zu bewahren und sich zu behaupten.

 

 

Erster Termin

 

In unserem Telefongespräch vereinbaren Sandra und ich einen Termin. Am Tag unseres ersten Gesprächs ist Sandra aufgeregt. Sie hat sich über Hypnose informiert und weiß ungefähr, was sie erwarten wird. Dennoch fragt sie sich, wie es dann wirklich sein wird selbst hypnotisiert zu werden. Sie macht sich Sorgen, etwas Falsches zu sagen, oder gar, dass Hypnose bei ihr nicht funktioniert.

Davon berichtet sie auch zu Beginn ihres ersten Termins in der Praxis. Ich freue mich, dass sie so ehrlich ist, erkläre ihr, dass es ganz normal ist, beim ersten Termin aufgeregt zu sein und beantworte ihre  Fragen zur Hypnose und zum Ablauf unserer Sitzung. Ich spreche sie mit Vornamen an, da ich meine Klienten in einer Sitzung für gewöhnlich duze. In einer entspannten Trance entwickelt das Bewusstsein ein sehr direktes Verständnis und eine Art vereinfachte Logik. Da würde ein ‚Sie‘ eher verwirren.

Sandra möchte wissen, wie es ist, wenn sie hypnotisiert ist. Kann sie sich hinterher daran erinnern, was während der Sitzung passiert ist, und kann sie die Trance auch unterbrechen, wenn es ihr zu viel wird? Ich bedanke mich für ihr Vertrauen und erkläre ihr, dass Fragen dieser Art häufig sind, bei Menschen, die zum ersten Mal hypnotisiert werden. Wenn ich sie hypnotisiert habe, sie also in Trance ist, kann sie jederzeit aufstehen und die Sitzung beenden (auch wenn die meisten Klienten sich erfahrungsgemäß eher wünschen, noch länger im entspannten Zustand einer Trance zu bleiben, weil sie sich so wohl gefühlt haben).

Auch wird sich Sandra an alles, was in der Sitzung passiert erinnern können. Denn so tief ein Trance auch sein mag, ein Teil des Bewusstseins ist immer wach und registriert, was in diesem Moment geschieht.

 

 

Das Erleben der Trance

 

Nachdem Sandra mir noch mehr Einzelheiten zu der Situation mit ihrem Chef erzählt hat, ist sie einverstanden, dass wir mit der Hypnose beginnen. Ich frage Sandra nach einem schönen Ort, an den ich sie gedanklich in der Trance führen soll und sie erzählt von einem Urlaub am Mittelmeer, wo es einen Felsen am Meer gab, auf dem sie die meiste Zeit verbracht und sich sehr wohl gefühlt hat. Nach Induktion der Trance entspannt sich Sandra sichtlich. Ihre Gesichtsmuskulatur wird weicher, ihr Atem verlangsamt sich und sie rückt sich nochmal zurecht, sodass sie bequem in ihrem Sessel sitzt. Das sind typische Anzeichen für den Beginn einer entspannenden Trance. Als Sandra angenehm entspannt in der Trance angekommen ist, führe ich sie an ihren geliebten Urlaubsort und gebe ihr die Möglichkeit, dieses Erlebnis noch einmal mit allen Sinnen zu erleben. Um den positiven Effekt der Entspannung zu vertiefen, schweige ich für ein paar Minuten, damit Sandra die Erfahrung vollstens genießen kann. Dann beginne ich wieder zu sprechen und hole Sandra sanft ins Hier und Jetzt zurück. Sandra öffnet die Augen und blinzelt ein paar Mal. Ihre Augen sind glasig und sie lächelt ein wenig verklärt. Sie sagt, dass sie nicht gedacht hätte, dass es so leicht bei ihr funktioniert. Sie konnte die Sonne an ihrem Urlaubsort geradezu auf ihrer Haut spüren und fühlt sich jetzt wie nach einem erholsamen Mittagsschlaf. Wir unterhalten uns noch ein wenig und machen dann einen Termin für die nächste Woche aus.

Weitere Termine

 

Alle weiteren Termine gestalten sich individuell angepasst an die Bedürfnisse der Klienten. Es gibt Klienten, die direkt in das Thema einsteigen und gleich am Kern des Problems arbeiten. Andere Klienten nehmen sich mehr Zeit. Es kann auch vorkommen, dass es noch andere Hindernisse gibt, die zuerst ausgeräumt werden müssen. Je sensibler das Thema ist, desto vorsichtiger gehe ich vor. Hypnose bietet tolle Werkzeuge, mit denen sich schmerzhafte Themen und wunde Punkte sehr behutsam bearbeiten lassen. So wähle ich, wenn ich merke, dass die Klientin an einen heiklen Bereich gerät, meist eine indirekte Zugangsweise. Somit kann die Klientin sich das Thema anschauen ohne dass sie all die schmerzhaften Emotionen, die damit verbunden sind, erleben muss.

Erst wenn die Klientin bereit ist und sich dafür entscheidet, schauen wir gemeinsam, wie weit sie in der innerlichen Konfrontation gehen möchte. Oftmals reicht aber schon ein kurzes Reinfühlen, um das Thema abschließend zu bearbeiten.

Gleichzeitig werden Ressourcen der Klientin gesucht und aktiviert. Das können positive Erinnerungen, Gefühle oder Situationen sein. Aber auch Erfahrungen, in denen die Klientin eine schwierige Situation gemeistert hat und sich hinterher stärker fühlt. Denn eines haben viele Menschen gemeinsam – sie sehen bei sich die eigenen Schwächen und scheinbaren Mängel überdeutlich und übersehen dabei, wie stark sie eigentlich sind und was sie in ihrer Entwicklung schon alles erreicht haben.

 

 

Verlauf und Abschluss

 

Wie viele Termine von Nöten sind, ist immer von der Person abhängig. Themen, bei denen das Problemfeld klar umrissen ist, bspw. Raucherentwöhung oder Prüfungsvorbereitung, können gut in zwei bis drei Sitzungen erfolgreich behandelt werden. Komplexere Themen beanspruchen vier bis sechs Sitzungen, manchmal auch mehr - immer in Abhängigkeit davon, wie sehr sich der oder die Klient/in auf das Thema einlassen möchte.

Im Fall von Sandra ist es nach der ersten Intervention wichtig, dass sie sich der stressauslösenden Situation aussetzt, um ihre neu erlernten Fähigkeiten zu erleben. Dabei wird nicht gleich die größte Herausforderung gewählt, etwa eine Gehaltsverhandlung, sondern eine Situation mit geringerer Intensität. Nach der Konfrontation schaue ich dann gemeinsam mit der Klientin, wie sie die Situation erlebt hat und ob sie eventuell weitere Fähigkeiten braucht, um sich in der Situation mit ihrem Chef sicher zu fühlen. Wenn Sandra noch die Fähigkeit fehlt, im Gespräch mit ihrem Chef mehr bei sich zu bleiben, helfe ich ihr zu entdecken, wo in ihrem Leben sie diese Fähigkeit schon bei sich erlebt. Denn hat man einmal eine Fähigkeit erlernt, lässt sich diese auch auf andere Bereiche übertragen. Sandra z.B. ist passionierte Handballerin und schafft es auch in hitzigen Spielsituationen, den Überblick zu bewahren. Das ist eine starke Ressource, die wir in einer Intensivsitzung hypnotisch vertiefen und so verankern können, dass Sandra in der Auseinandersetzung mit ihrem Chef auf diese Fähigkeit zugreifen kann, um nicht wieder in das alte Verhaltensmuster des sich Kleinmachens und Flüchtens rutscht. Als Sandra bewusst wird, dass sie alle Fähigkeiten schon besitzt, um ihr Problem zu bewältigen, und jetzt auch bewusst darauf zugreifen kann, fühlt sie sich für alle zukünftigen Auseinandersetzungen gewappnet. Da es jetzt keine weiteren Bedenken seitens der Klientin gibt, vertiefen wir zum Abschluss Sandras (neu)gewonnene Fähigkeiten und schließen damit unseren gemeinsamen Prozess ab.